Fhoch3 – Best Practice Beispiele aus der Region

Teile der Textilindustrie sind einer der größten Umweltverschmutzer. Neben den ökologischen Folgen der Textilproduktion herrschen darüber hinaus viele soziale Missstände. Dazu zählen unter anderem ausbeuterische Kinderarbeit, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und unfaire Behandlung von Arbeiter*innen. Durch Informations- und Bildungsarbeit möchten wir über diese Missstände aufklären, ebendiese bekämpfen und den Fairen Handel fördern.  

Im Rahmen der Online-Veranstaltung „Von Fast zu Fair Fashion: Was braucht es dafür?“ haben wir über die Risiken in der textilen Lieferkette sowie über die aktuellen Entwicklungen in der Textilindustrie diskutiert. Die Referentinnen beleuchteten dabei die Relevanz eines nachhaltigen Einkaufs und zeigen Möglichkeiten einer fairen Beschaffung anhand von Praxisbeispielen auf. Eine Zusammenfassung der Veranstaltung finden Sie hier.  

Im Folgenden können Sie sich zum Thema Fair Fashion durch Best Practice Beispiele inspirieren lassen: 

1. Weltladen Hofheim

Der Hofheimer Weltladen „Fair Fashion – das Fachgeschäft für faire Mode“, der im Februar 2022 eröffnet wurde, bietet ca. 1600 Artikel an. Der aktuelle Verkaufsrenner ist das sogenannte „Greenbomb Fahrrad T-Shirt“, aber auch Pullover, Blusen, Kleider oder Hosen werden gerne gekauft. Accessoires wie Schals, Mützen und Strümpfe sind ebenfalls beliebt. Das Konzept des Weltladens funktioniert gut, da er ausschließlich Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen und aus ökologisch einwandfreien Materialien führt. Die Mitarbeitenden agieren mit Überzeugung und fungieren als Botschafter*innen der fairen Mode.

Eine der größten Herausforderungen besteht darin, das richtige Sortiment zu ordern, weshalb der Weltladen in Hofheim eine Kundenumfrage durchgeführt hat. Der Weltladen bewirbt öko-soziale Kriterien aktiv, informiert auf Veranstaltungen und besucht Schulen, um Bewusstsein für nachhaltige Mode zu schaffen. Als Fachgeschäft für faire Mode zeigt der Weltladen den Kunden*innen, dass eine faire und nachhaltige Textilproduktion möglich ist.   

2. Die zwei Weltläden in Weilburg

In der Stadt Weilburg gibt es zwei Weltläden: Der erste wurde 1996 gegründet und bietet hauptsächlich Lebensmittel, Zubehör und Kunsthandwerk. Der zweite Laden eröffnete 2018 und verkauft Textilien, Schmuck, Taschen, Kerzen, Seifen und Kosmetikartikel. Insgesamt arbeiten 24 Mitarbeiter*innen im Weltladen, darunter zwei hauptamtliche Kräfte. Die meistverkauften Artikel im Bereich Fair Fashion sind Damenoberbekleidung. Ein spannender Fakt ist, dass beide Läden in derselben Straße betrieben werden, aber unterschiedliche Sortimente haben. Das Konzept der Weltläden in Weilburg funktioniert vor allem aufgrund des unbeirrten

Engagements der Mitarbeitenden für fairen Handel. Der größte Unterschied zu anderen Modehäusern ist die Fokussierung auf menschenwürdige Produktion und Nachhaltigkeit. Eine Herausforderung besteht in der Vororder von Textilien für die Saison, wobei Erfahrungen ausgewertet und Notizen gemacht werden, um zukünftige Entscheidungen zu verbessern. Das Bewusstsein für öko-soziale Kriterien wird durch Werbung, Modenschauen und Gespräche gefördert, sowie durch Bildungsarbeit in Schulen und politische Aktivitäten. 

3. Die Stadt Ingelheim am Rhein

Die Kommune Ingelheim am Rhein ist seit 2020 in der fairen Beschaffung von Textilien aktiv. Dies geschah, nachdem sie bereits gute Erfahrungen mit fair gehandelten Produkten wie Kaffee, Tee und Zucker sowie nachhaltigen Büromöbeln gemacht hatte. Die Beschaffung fairer Textilien erfolgt in acht Einrichtungen und Abteilungen mit jeweils ein bis drei beteiligten Mitarbeitenden. So werden in Ingelheim bereits Produkte wie T-Shirts, Pullover, Baumwolltaschen, Kasacks, Lätzchen und Baumwoll-Waschlappen aus fairem Handel bezogen. Geplant sind weitere Beschaffungen von Polohemden und Matratzen unter ökologischen

Nachhaltigkeitskriterien. Die größte Herausforderung bei der fairen Beschaffung von Textilien besteht darin, den Trage- oder Nutzungskomfort zu gewährleisten, ohne die Nachhaltigkeitskriterien zu vernachlässigen. Die Kommune versucht, viele Anbieter zu finden, die diesen Anforderungen gerecht werden, und ist erfreut über die positive Veränderung des Marktes in diesem Bereich.

Um das Bewusstsein für öko-soziale Kriterien bei Konsument*innen zu erhöhen, setzt Ingelheim auf Sensibilisierungs- und Informationsmaßnahmen. Insbesondere interne Aktionstage mit fairen Produkten sowie Schulungen für Beschaffer*innen zu nachhaltigen und fairen Kriterien helfen dabei, das Bewusstsein zu stärken. Ein wichtiges Learning bei der Beschaffung fairer Textilien war zudem die Einbeziehung der Nutzenden. Es ist entscheidend, ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen und gleichzeitig transparent über die Nachhaltigkeitskriterien aufzuklären, um eine nachhaltige Veränderung zu ermöglichen. 

4. Die Behörde Hessen Mobil

Hessen Mobil ist seit 2014 im Bereich fairer Beschaffung von Textilien aktiv, womit sie die Verantwortung, die sie als Behörde tragen, ernst nehmen. Demnach sind Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen integraler Bestandteil ihres Selbstverständnisses. Insgesamt sind 10 Mitarbeitende im Sachgebiet Einkauf tätig, wobei zwei Personen direkt in die Beschaffung nachhaltiger Textilien involviert sind. Bisher wurden 12 Artikel im Bereich Textilien fair beschafft, darunter Warnschutzkleidung für Sommer und Winter, UV-Schutzhüte, Basecaps, Wintermützen und UV-Schutz für Freischneiderkombis. Dies entspricht nahezu dem gesamten Sortiment von Hessen Mobil, wobei daran gearbeitet wird auch die übrigen Artikel fair zu beschaffen. 

Im Hinblick auf die Umsetzung öko-sozialer Beschaffung stellt die Markterkundung ein wichtiges Instrument dar. Dies helfe Ausschreibungen zu erstellen, welche die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit berücksichtigen. Mit ihren Konzepten gewann Hessen Mobil 2020 und 2023 den „BME-Award Innovation schafft Vorsprung“. Die größte Herausforderung im Hinblick auf die faire Beschaffung von Textilien sieht Hessen Mobil darin, die verschiedenen Siegel und Gütezeichen zu verstehen und Ausschreibungen so zu gestalten, dass sie den Wettbewerb fördern. Portale wie siegelklarheit.de und kompass-nachhaltigkeit.de sind dabei hilfreich. Das Bewusstsein für öko-soziale Kriterien wird unter anderem durch Beiträge im Mitarbeitermagazin sowie durch Schulungen, bei welchen die Hintergründe zu den eingekauften Artikeln erläutert werden, erhöht. Zudem gibt es im Rahmen des Vergabeverfahrens einen Bemusterungsausschuss, in dem die Praktiker*innen die Artikel testen und beurteilen. Das größte Learning für Hessen Mobil: Es gibt viele gute Konzepte, doch näher hinsehen lohnt sich: Oftmals handelt es sich bei Produkten um Greenwashing. 

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5. Die Stadt Eltville

Die Stadt Eltville am Rhein erhielt im Jahr 2018 den Titel „Fair Trade Town“ und setzt sich aktiv für den fairen Handel ein. Dies zeigt sich insbesondere bei städtischen Veranstaltungen und Stadtmarketing-Aktivitäten, bei denen regelmäßig auf das Thema „fairer Handel“ hingewiesen wird. Die Stadt bemüht sich auch darum, im Bereich fairer Handel selbst Vorbild zu sein. 

Bei der Beschaffung von Arbeitskleidung spielt die StadtWerke eine wichtige Rolle, da sie regelmäßig solche Kleidung anschaffen. Das Eltviller Rosenbad benötigt ebenfalls faire Arbeitskleidung. Die Beschaffung in Eltville erfolgt dezentral, wobei die zuständigen Stellen

darauf achten, Produkte zu erwerben, die soziale, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigen. 

Eine Herausforderung besteht darin, dass es für manche Produktbereiche keine geeigneten Angebote auf dem Markt gibt. Daher ist es von großer Bedeutung, dass möglichst viele beschaffende Stellen in ganz Deutschland Öko- und Sozialkriterien ernst nehmen und in ihre Beschaffungsprozesse integrieren. Dadurch werden Anreize für den Markt geschaffen, auf die steigende Nachfrage mit entsprechenden Angeboten zu reagieren. 

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